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Die Rettung kommt von oben

Die Bliesransbacher Jäger waren in dieser Woche wieder unterwegs und haben Tierleben von oben gerettet. Von links: Leopold Thalhofer, Marcel Hensgen, Michael Kessler, Jakob Thalhofer, Dieter Schuler und Landwirt Walter Kany
Die Bliesransbacher Jäger waren in dieser Woche wieder unterwegs und haben Tierleben von oben gerettet. Von links: Leopold Thalhofer, Marcel Hensgen, Michael Kessler, Jakob Thalhofer, Dieter Schuler und Landwirt Walter Kany

Bliesransbach. Noch vor Sonnenaufgang beginnt für die Bliesransbacher Jäger in diesen Tagen ein besonderer Einsatz. Um Rehkitze vor dem Mähtod zu bewahren, durchkämmen sie die Wiesen der Feldflur mit einer Wärmebilddrohne. Am Montagmorgen um 5.30 Uhr startete erneut eine Rettungsaktion, die mittlerweile seit Jahren fester Bestandteil der Mahdsaison ist.

 

Auf einem Feld nahe der Blies steuern Jakob und Leopold Thalhofer die Drohne über die hohen Wiesen. Auf dem Bildschirm erscheinen plötzlich zwei helle Punkte. „Hier sind zwei“, meldet Jakob Thalhofer den Helfern am Boden. Wenige Augenblicke später machen sich Dieter Schuler und Marcel Hensgen mit großen Pappkartons auf den Weg zu den Fundstellen.

Die Methode ist einfach und effektiv. Werden Rehkitze entdeckt, bringen die Helfer die Tiere vorsichtig in Kartons und setzen sie anschließend in einem geschützten Bereich am Feldrand aus. Dort können die Rehmütter ihre Jungen nach der Mahd wieder aufnehmen. Von den beiden am Montag entdeckten Kitzen konnte eines die Gefahrenzone bereits selbstständig verlassen, während das andere umgesetzt werden musste.

 

Auslöser der Aktion war die geplante Mahd einer Wiese durch Landwirt Walter Kany. Dieser hatte den Bliesransbacher Jagdpächter Michael Kessler frühzeitig informiert, sodass die Rettungsaktion unmittelbar vor dem Mäheinsatz organisiert werden konnte. „Das klappt seit Jahren hervorragend. Früher war es schrecklich, wenn ein Kitz ins Mähwerk geraten ist. Das möchte niemand erleben“, sagt Kany.

Marcel Hensgen mit einem Rehkitz
Marcel Hensgen mit einem Rehkitz

Gerade junge Rehkitze sind besonders gefährdet. In den ersten beiden Lebenswochen verlassen sie sich bei Gefahr auf ihren natürlichen Drückinstinkt und verharren regungslos im hohen Gras. Erst später setzen sie auf Flucht und können sich selbst in Sicherheit bringen.

Die Bliesransbacher Jäger gehören zu den Vorreitern der modernen Kitzrettung im Saarland. Bereits 2019 setzten sie als erstes Revier im Land eine Wärmebilddrohne für diesen Zweck ein. „Inzwischen ist diese Technik weit verbreitet, was wir sehr begrüßen“, sagt Michael Kessler. Nach seinen Angaben konnten in den vergangenen sieben Jahren rund 250 Rehkitze gerettet werden. Allein in diesem Jahr seien bereits etwa 30 Tiere vor dem Mähtod bewahrt worden.

 

Während der Mahdzeit stehen die Ehrenamtlichen fast täglich in den frühen Morgenstunden im Einsatz und überfliegen mehrere Wiesenflächen. Anschließend beginnt für die meisten von ihnen der reguläre Arbeitstag. Ihr Engagement dient ausschließlich dem Schutz der Wildtiere und erfolgt unentgeltlich.

Auf einem Monitor erkennen die Jäger wo die Drohne die Rehkitze anzeigt
Auf einem Monitor erkennen die Jäger wo die Drohne die Rehkitze anzeigt

 

 

 

Immer wieder sehen sich die Jäger jedoch mit Kritik konfrontiert. In sozialen Netzwerken werde häufig gefragt, weshalb Rehe zunächst gerettet würden, wenn später Jagd auf Wild betrieben werde. Für Kessler greift diese Sichtweise zu kurz. Jedes Tier habe ein Recht auf Leben. Gleichzeitig sei die Jagd notwendig, um die Wildbestände an die vorhandenen Lebensräume anzupassen. Natürliche Feinde wie Wolf oder Luchs fehlten in der Region weitgehend, zudem führten milde Winter zu steigenden Beständen.

Nach Angaben des Jagdpächters können zu hohe Rehbestände die natürliche Waldverjüngung beeinträchtigen. Auch Wildschäden durch Schwarzwild seien ein bekanntes Problem. Die Aufgabe der Jägerschaft bestehe deshalb darin, einen ausgewogenen Wildbestand sicherzustellen. Das erlegte Wild werde vollständig als hochwertiges Wildbret verwertet. „Wir tragen Verantwortung für Natur und Wildtiere“, betont Kessler. Die Rettung der Rehkitze und die Hege des Wildbestandes seien dabei zwei Seiten derselben Medaille.

Text: Heiko Lehmann. Fotos: Michael Kessler, Heiko Lehmann.

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2 Umsatzsteuerbefreit gemäß § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung)