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So spannend war die elfte Heher-Sackloch-Nacht in Göttelborn

44 Sackloch-Teams gingen in Göttelborn an den Start
44 Sackloch-Teams gingen in Göttelborn an den Start

Göttelborn. 23 Uhr, immer noch angenehme 19 Grad und Flutlichtatmosphäre auf dem Kunstrasenplatz in Göttelborn. Es kribbelt! Etwa 100 Zuschauer schauen gespannt auf den Platz, wo das große Finale der elften Heher-Sackloch-Nacht in vollem Gange ist. Zwei Bretter stehen 8,23 Meter auseinander und jedes Brett hat ein zentrales Loch im oberen Drittel. Zwei Spieler stehen an den beiden Brettseiten und versuchen abwechselnd mit jeweils vier Säcken das gegenüberliegende Brett zu treffen. Jeder Sack, der auf dem Brett liegt, gibt einen Punkt. Geht ein Sack ins Loch, gibt es drei Punkte. Das Spiel nennt man Sackloch oder Cornhole, wie man in den USA, dem Mutterland des Spiels, sagt.

Der erste Satz des Finales ist umkämpft, aber letztlich können sich Silke Bitz (Ingelheim) und Max Kreutzer (Quierschied) gegen Arno Simons (Ingelheim) und Stephan Beck (Konz) knapp mit 21:18 durchsetzen. Göttelborn ist ein Ortsteil von Quierschied und ist, geografisch gesehen, der am höchsten gelegene Ortsteil der Gemeinde. Deshalb sagt man zu den Göttelbornern auch die Höher oder auf saarländisch: die „Heher“. Daher hat das Sackloch-Turnier seinen Namen. „Wenn ich mich von einem Termin in Quierschied verabschiede sage ich immer, denkt daran, Göttelborn ist das Höchste, was Quierschied zu bieten hat“, sagt Peter Saar (SPD), der Ortsvorsteher von Göttelborn und grinst.

Silke Bitz (links) und Max Kreutzer
Silke Bitz (links) und Max Kreutzer

Die Heher-Sackloch-Nacht ist eines der ältesten und vielleicht das außergewöhnlichste Turnier seiner Art in Deutschland. Am vergangenen Samstag fand die elfte Auflage statt. Während fast alle Sackloch-Turniere in Hallen stattfinden, wird in Göttelborn im Freien gespielt. Mittags gibt es Sonne satt und der Wind macht mit den Säcken was er will. Wenn es dunkel wird kommt die Feuchtigkeit und die Säcke rutschen nicht mehr richtig über die Bretter.

Das ganze Turnier über läuft Stimmungsmusik und der Duft von Pommes und Curry-Wurst liegt in der Luft. „Mir geht es eigentlich gar nicht um das Gewinnen. Ich freue mich einfach, jedes Jahr die Leute wieder zu sehen. Es ist immer ein toller Tag“, sagt Jürgen Philipp von den Sackloch-Spielern des SV Auersmacher. Im Finale ist die Stimmung derweil etwas abgeflaut. Silke Bitz und Max Kreutzer führen im zweiten Satz überdeutlich mit 19:5 und brauchen nur noch zwei Punkte zum Sieg. Wie schnell es beim Sackloch gehen kann, demonstrieren dann aber Arno Simons und Stephan Beck. 

Arno Simons (links) und Stephan Beck.
Arno Simons (links) und Stephan Beck.

In einer fast unglaublichen Aufholjagd kämpfen sich die beiden heran und gewinnen den zweiten Satz tatsächlich noch mit 21:19. Großer Applaus kam von den Zuschauern. „Das ist ein unglaubliches Finale. Das ganze Turnier war der Wahnsinn und ich glaube, es hat wieder allen viel Spaß gemacht“, sagt Horst Zimmer, seit mehr als 20 Jahren der Vorsitzende des Turnierveranstalters SV Göttelborn.

Der Grund, warum jedes Jahr so viele Spieler aus ganz Deutschland nach Göttelborn kommen und warum der Sport mittlerweile so beliebt ist, saß am Samstag unter einem Pavillon und machte die Turnierleitung. Die beiden Quierschieder Uwe Thome und Matthias Baumstark haben vor 18 Jahren das Sackloch-Spiel ins Saarland gebracht. Es war ein Zufall, da sie das Spiel beim Camping-Urlaub zum ersten Mal gesehen haben. „Es ist schon kurios, was danach alles passiert ist.

Aber ich kann es verstehen, das Spiel macht unglaublichen Spaß und vor allem kann es jeder spielen – egal welches Geschlecht und egal welches Alter“, sagt Uwe Thome. Das beste Beispiel dafür waren am Samstag Volker Stein und Edgar Fetzer. Die beiden rüstigen Rentner aus Quierschied belegten am Ende den dritten Platz von insgesamt 44 Teams. 

Roman Stark (rechts) vom SV Auersmacher beim Wurf.
Roman Stark (rechts) vom SV Auersmacher beim Wurf.

Mittlerweile gibt es fast an jedem Wochenende unzählige Sackloch-Turniere in ganz Deutschland. Seit vergangenem Jahr gibt es eine Sackloch-Bundesliga und in diesem Jahr kam die 2. Bundesliga dazu – Tendenz, stark steigend. In den vereinigten Staaten von Amerika ist Sackloch längst ein Profisport.

Turniere sind nicht selten mit fünfstelligen Preisgeldern dotiert und die Topspieler leben von dem Sport. Davon sind Europa, Deutschland und das Saarland noch etwas entfernt – aber deshalb hat es Charme. In Göttelborn bekommen die Sieger in jedem Jahr Lyoner-Ringel, Baguettes und Sixpacks alkoholfreies Bier. Und die saarländischen Präsente schnappten sich am Samstag tatsächlich die beiden Ingelheimer Arno Simons und Stephan Beck.

Den umkämpften dritten Satz gewannen die beiden mit 21:17 und wurden damit die Sieger der elften Heher-Sackloch-Nacht. „So ist Sackloch. Das Spiel hätte auch anderes herum ausgehen können. Natürlich ist immer einer Portion Ehrgeiz dabei, aber der Spaß am Spiel steht am Ende doch im Vordergrund“, so Arno Simons.

Mit dem zweiten Platz ist Max Kreutzer der am weitesten gekommene Saarländer im Turnier. Das ist aber weniger verwunderlich, denn seit vergangener Woche ist der Landsweiler die Nummer eins in der Deutschland-Rangliste. „Ich sehe den zweiten Platz hier in Göttelborn schon als großen Erfolg. Es ist einfach ein besonderes Turnier, auf das man sich das ganze Jahr freut“, so Max Kreutzer.

Text und Fotos: Heiko Lehmann

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2 Umsatzsteuerbefreit gemäß § 19 UStG (Kleinunternehmerregelung)