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Weniger Kunden in Hanweiler und Kleinblittersdorf - mehr Kunden in Bliesransbach

Dort, wo die Autos ansonsten dicht an dicht parken, gibt es vor den Supermärkten an der Oberen Saar zur Zeit große Lücken.
Dort, wo die Autos ansonsten dicht an dicht parken, gibt es vor den Supermärkten an der Oberen Saar zur Zeit große Lücken.

Kleinblittersdorf. Die Parkplätze sind fast leer vor den grenznahen Supermärkten in Kleinblittersdorf und Rilchingen-Hanweiler. Je nach Tageszeit herrscht dort aktuell richtige Geisterstimmung. Los ging der Kundeneinbruch am vergangenen Montag, als Deutschland wegen des Coronavirus die Grenzen nach Frankreich schloss. Zwar verlief das Grenzeschließen an der Oberen Saar äußerst lückenhaft, aber die Supermärkte spürten den Rückgang sofort. „Als in Frankreich am Dienstag die Ausgangssperre in Kraft getreten ist, waren es auf einen Schlag weniger Kunden. Wir haben immer noch geöffnet und verkaufen Lebensmittel, aber es kommen etwa 40 Prozent weniger Kunden“, sagt Edeka-Filialleiter Stefan Lonsdorfer in Rilchingen-Hanweiler.

Stefan Lonsdorfer hat in seiner Edeka-Filiale in Rilchingen-Hanweiler 40 Prozent weniger Kunden.
Stefan Lonsdorfer hat in seiner Edeka-Filiale in Rilchingen-Hanweiler 40 Prozent weniger Kunden.

Nebenan ist ein Drogeriemarkt. Gegen 17 Uhr stehen dort die Kunden normalerweise in meterlangen Schlangen an den Kassen und der Laden ist proppenvoll. Der Grund: in Frankreich sind gerade Drogerieartikel wesentlich teurer als in Deutschland. Am Donnerstag um 17 Uhr waren zwei Verkäuferinnen und zwei Kunden im Laden. Die Kasse musste nur geöffnet werden, wenn ein Kunde auch wirklich an die Kasse kam. Rebekka Müller-Winter aus Bliesmengen-Bolchen kaufte am Donnerstag ein. „Ich gehe für unsere Familie ganz normal zweimal pro Woche einkaufen. Ich halte nichts von Hamsterkäufen. Ich bin mir sicher, dass in Deutschland die Grundversorgung immer gegeben sein wird. Es ist auf der einen Seite beängstigend, dass so wenige Leute hier sind, auf der anderen Seite ist es auch mal ganz entspannend in Ruhe einzukaufen zu gehen“, sagte Rebekka Müller-Winter.

Christoph Vostal hat im Bliestal-Mark in Bliesransbach mehr zu tun als vor einer Woche. Die Kunden wurden mehr.
Christoph Vostal hat im Bliestal-Mark in Bliesransbach mehr zu tun als vor einer Woche. Die Kunden wurden mehr.

In Kleinblittersdorf und Rilchingen-Hanweiler gibt es in Grenznähe sechs Lebensmittel führende Supermärkte – drei in jedem Ort. In Kleinblittersdorf gibt es zusätzlich noch eine Drogerie und ein Schuhgeschäft und in Rilchingen-Hanweiler eine Drogerie und ein Kleidergeschäft. Alle Beteiligten und auch die Kunden wissen, dass es diese Geschäftsdichte nur wegen den vielen Franzosen gibt, die bis zum vergangenen Dienstag täglich nach Deutschland zum Einkaufen strömten. Jetzt bleiben die Kunden weg und die Umsätze brechen ein. Doch das ist nicht überall an der Oberen Saar so. Der Bliestal-Markt in Bliesransbach ist ein klassischer Dorfladen und dort werden es fast täglich mehr Kunden. „Die Leute haben keine Lust mehr auf die Massenveranstaltungen in den großen Supermärkten, das spürt man. Zu uns kommen Menschen aus dem Ort, die wir schon ewig nicht mehr gesehen haben“, erzählt Christoph Vostal, der stellvertretende Marktleiter der Bliestal-Marktes. Lieferengpässe gibt es keine mehr. Vor zwei Wochen war es noch schlimm, als die Menschen zu Hamsterkäufen kamen und die Regale leer räumten. Das Kaufverhalten hat sich aber wieder geändert. Es ist wieder Normalität eingekehrt“, sagt Christoph Vostal weiter.

Text und Fotos: Heiko Lehmann